KFPS: Inzuchtzunahme Friesischer Pferde derzeit stabil bei 0,7 % – 08. Juli 2026
Aus aktuellen wissenschaftlichen Berechnungen geht hervor, dass die Inzuchtzunahme innerhalb der Friesischen Pferdepopulation, auch über den zuletzt berechneten Zeitraum bis Ende 2025, stabil bei etwa 0,7 % pro Generation bleibt (siehe Abbildung unten im Artikel).
Streben nach 0,5 %
Mit 0,7 % bleibt die Entwicklung unter der international angewandten Norm der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), die eine maximale Inzuchtzunahme von 1 % pro Generation empfiehlt, jedoch vorzugsweise eine Inzuchtzunahme von 0,5 % anstrebt. Diese 0,5 % sind auch die Ambition des KFPS. Um zu einem Prozentsatz von 0,5 % zu kommen, sind zusätzliche Maßnahmen nötig, für die die Untersuchung „Erhaltung des Friesischen Pferdes“, die inzwischen seit drei Jahren läuft, Anknüpfungspunkte liefert. Im Jahr 2027 werden voraussichtlich die endgültigen Ergebnisse der Untersuchung verfügbar sein.
Die Anzahl der Zuchttiere innerhalb der Friesischen Population ist ausreichend groß, aber die Inzuchtzunahme entsteht hauptsächlich durch eine ungleiche Verteilung in der Nutzung der Anzahl der Deckhengste. Von 2004–2013 betrug die Inzuchtzahl innerhalb der beim KFPS registrierten Friesischen Pferdepopulation ca. 0,5 %. Die Anzahl der Deckungen betrug damals ca. 6.000 pro Jahr. In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der registrierten Deckungen bei ca. 4.000 pro Jahr stabilisiert. Mit dieser Reduzierung der Deckungen haben populäre Hengste prozentual mehr zur Anzahl der geborenen Fohlen pro Jahr beigetragen, was mit zur derzeitigen Stabilisierung bei ca. 0,7 % Inzuchtzunahme pro Generation geführt hat.
Um diese Zahl weiter sinken zu lassen, müssen strengere Deckbeschränkungen eingeführt werden. Ebenso könnten mehr verfügbare Hengste zu einer größeren genetischen Streuung beitragen.
Anpassung der Zucht- und Selektionspolitik
Der Zuchtrat des KFPS hat auf Basis von Empfehlungen einen Rat für die Anpassung der Zucht- und Selektionspolitik abgegeben, darunter auch eine strengere Deckbeschränkung. Um Unterstützung und praktische Durchführbarkeit von Maßnahmen sicherzustellen, wurde im vergangenen Frühjahr eine spezielle Projektgruppe ins Leben gerufen, die die Vorschläge weiter ausarbeitet. Das Ziel ist, Ende Oktober 2026 dem Mitgliederrat einen integralen Plan zur Genehmigung vorzulegen.
Weitere Schritte nötig
Das KFPS ist der Meinung, dass weitere Schritte nötig sind, um die genetische Diversität zu stimulieren. Eine Zunahme der Inzucht liefert ein Risiko für die Ausprägung neuer erblicher Defekte. Die in der Vergangenheit registrierte hohe Inzuchtzunahme hat möglicherweise mit zu den später festgestellten erblichen Defekten geführt.
Das KFPS arbeitet derzeit zusammen mit der Universität von Kentucky, der Fenway Foundation und der Universität Wageningen bei der Aufspürung des genetischen Hintergrunds der Speiseröhrenerweiterung. Daneben richtet auch die Universität Gent ihre Forschung auf Speiseröhrenerweiterung, Aortaruptur und Magenruptur. Durch Sektionsuntersuchungen an verstorbenen Pferden werden mehr zuverlässige Informationen verfügbar. Das Problem bei der Analyse der derzeit verfügbaren Daten ist, dass nicht immer alle wichtigen Sterbedaten (verstorbene Pferde) durch die Mitglieder und Züchter gemeldet und/oder nicht registriert werden.
Sobald mehr Informationen über den genetischen Hintergrund von Erkrankungen verfügbar werden, wird dies in neue Politik verarbeitet. So sind unter anderem die Trägerschaft von Zwergwuchsgenen und Wasserkopf mit einem DNA-Test nachzuweisen, und diese sind inzwischen in die Zuchtpolitik des Vereins eingepasst worden. Dies hat zu weniger Risikopaarungen und einer niedrigeren Häufigkeit des Vorhandenseins dieser erblichen Defekte in der Population geführt.
Derzeit wird im Rahmen der Untersuchung „Erhaltung des Friesischen Pferdes“ an einem DNA-Test zur Vergrößerung der Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Trächtigkeit gearbeitet, und dieser wird voraussichtlich in der nächsten Decksaison in neue Zuchtpolitik verarbeitet werden können.
Gesundheit höchste Priorität
Die Gesundheit des Friesischen Pferdes ist und bleibt die höchste Priorität des KFPS. Als Stammbuchorganisation trägt das KFPS Verantwortung für eine gesunde, vitale und zukunftsbeständige Population. Dies verlangt fortlaufende Investitionen in genetische Forschung, wissenschaftliches Wissen und eine sorgfältig abgewogene Zuchtpolitik. Der Verein kennt eine geschlossene Population für das Friesische Pferd als Ausgangspunkt, und dies stellt hohe Anforderungen an die vorgenannten Gebiete.
Vorsitzender Ton Wortel: „Das Friesische Pferd ist eine einzigartige niederländische Rasse mit weltweiter Bedeutung. Gerade deshalb fühlen wir eine große Verantwortung, die Gesundheit der Rasse fortlaufend weiter zu verbessern. Das verlangt Zusammenarbeit, wissenschaftliche Untermauerung und manchmal auch neue Maßnahmen. Die Stabilisierung der Inzuchtzunahme zeigt, dass der eingeschlagene Kurs Wirkung hat, aber unsere Ambition bleibt, eine Inzuchtzunahme von 0,5 % oder niedriger pro Generation anzustreben.“

Quelle: Wageningen UR/KFPS